Leben hoch 3 – wie bist du denn auf diesen Namen gekommen? Das wurde ich seit der Gründung meiner GmbH öfter gefragt. Klar! Lägen doch Geschäftsnamen wie «Zeremonien mit Katrin», «Freie Theologin hilft» oder «Blome Coaching» viel näher. In letzter Konsequenz war es meine Lebensfreude, die mich zur Wahl des Namens inspiriert hat. Das Leben ist toll! Trotz seiner Tiefs, wegen seiner Hochs. Das wollte ich zum Inhalt meiner Selbstständigkeit machen; Menschen zu begleiten (was ich gelernt habe) und die Freude am Leben zu stärken (was meine Vision ist). Ich bin davon überzeugt, dass es jede Dimension des Lebens verdient hat,
- entdeckt
- ausgekostet
- überstanden
- genossen
- gelebt und erlebt
zu werden. Und so kam der Name «Leben hoch 3» zu mir – weil das Leben viele schöne und herausfordernde Dimensionen hat.
Leben hoch 3 ausbuchstabiert
Bei mir geht’s darum,
- das Leben zu verstehen – die innere Dimension
- das Leben zu gestalten – die aktive Dimension
- das Leben zu feiern – die sinnstiftende Dimension
Alle drei Dimensionen sollen mit Leben gefüllt werden.
Die innere Dimension
Unser Alltag ist schnell, unser Alltag ist laut, unser Alltag ist manchmal leider auch oberflächlich. Die fehlende Langsamkeit raubt den Menschen den Atem und mehr noch:
unsere Aufmerksamkeit und unser Denken werden oberflächlicher
- Wenn alles schnell ist, schaltet unser Gehirn häufiger in einen Modus, in welchem es reagiert statt reflektiert. Neurowissenschaftlich gesprochen: unser «Default Mode Network» wird weniger aktiviert. Es bezeichnet ein neuronales Netzwerk, das vor allem in Ruhephasen aktiv ist. Es wird mit Selbstreflexion, autobiografischem Gedächtnis und der Verarbeitung emotionaler Erfahrungen in Verbindung gebracht. Ein dauerhaft reizintensiver und beschleunigter Alltag kann dazu führen, dass dieser Zustand seltener erreicht wird.
Stress wird zum Grundzustand
- Wir sind dauernd erreichbar, haben viel Zeitdruck, springen zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her. Unser Stresssystem ist chronisch aktiviert (Sympathikus, Cortisol, …), was kurzfristig die Leistung steigert, aber langfristig für Erschöpfung, Schlafprobleme und innere Unruhe sorgt. Interessant ist, dass viele Menschen gar nicht mehr merken, dass sie gestresst sind, weil das hohe Tempo als normal erlebt wird.
Beziehungen werden funktionaler
- Echte Verbindungen brauchen Langsamkeit, gemeinsame zweckfreie Zeit, ein offenes Ohr füreinander. Wenn Beziehungen in einem effizienten Alltag untergehen, dann werden sie oft transaktionaler. Das heisst, dass sie drohen, auf eine Ebene abzurutschen, auf der es mehr um «Geben und Nehmen»-Mechanismus geht und der Fokus eher auf dem Nutzen und der Gegenseitigkeit liegt.
Identität wird fragiler
- Gerade in den langsamen Phasen, in denen wir uns langweilen, auf etwas warten oder einfach nichts tun, passieren wichtige Dinge. Wir integrieren unsere Erfahrungen, reflektieren unsere Werte und entwickeln ein stabiles Selbstbild. Fällt diese Zeit weg, entsteht in vielen Menschen das Gefühl einer Orientierungslosigkeit oder auch einer inneren Zerstreutheit. Wir sind ständig beschäftigt, aber nur wirklich selten bei uns.
Wir empfinden Zeitknappheit
- Es ist eigentlich paradox. Je mehr wir unsere alltäglichen Prozesse beschleunigen (man denke nur an die gute alte Briefpost im Vergleich zu einer E-Mail heute), desto stärker entsteht in uns das Gefühl von Zeitknappheit. Warum das so ist? Wir haben generell mehr Optionen als Menschen der vergangenen Generationen. Mehr Optionen heisst aber auch mehr Entscheidungen. Mehr Entscheidungen zu fällen bedeutet mehr mentale Last. Ausserdem setzt das höhere Tempo ganz neue Erwartungen an unsere Produktivität. Dabei passiert etwas, das der Philosoph Hermann Lübbe in einen tollen Begriff gepackt hat: Gegenwartsschrumpfung.
Die aktive Dimension
Leben heisst gestalten. Der Weg vom Verstehen bis zum konkreten Handeln ist oft länger, als uns lieb ist. Bei Leben hoch 3 geht es deshalb auch darum, gewonnene Erkenntnisse in gelebte Praxis zu übersetzen:
Vom Wissen zu Umsetzung
- Unser Gehirn liebt Erkenntnisse, aber es verändert Verhalten nur selten aufgrund reiner Einsicht. Studien aus der Verhaltenspsychologie zeigen die sogenannte Intention-Behaviour-Gap: Wir wissen, was uns guttun würde, handeln aber nicht danach. Erst wenn Wissen mit konkreten Auslösern im Alltag verknüpft wird – etwa festen Zeiten, Orten oder Routinen – entsteht echte Umsetzung. Heisst auch: Nicht fehlende Disziplin ist das Problem, sondern fehlende Struktur!
Gewohnheiten statt Motivation
- Motivation ist neurobiologisch betrachtet ein instabiler Zustand, stark abhängig von Energielevel, Stress und Schlaf. Gewohnheiten hingegen laufen über automatisierte neuronale Schleifen. Das bedeutet: Je kleiner und klarer eine Handlung definiert ist und je häufiger wir sie wiederholen, desto wahrscheinlicher wird sie langfristig beibehalten. Ein Hoch auf (neue) Gewohnheiten!
Kleine Schritte statt Überforderung
- Körper und Geist reagieren sensibel auf plötzliche Extreme. Radikale Ernährungs- und Trainingspläne oder strikte Routinen aktivieren häufig Stressreaktionen, die langfristige Veränderung sabotieren. Besser ist es deshalb, das Nervensystem mitzudenken: stabile Schlafzeiten, bewusste Pausen und ein Energie‑Management, das Leistungsphasen mit echter Regeneration ausbalanciert.
Lass das besser mit der Perfektion
- Veränderung scheitert oft an einem zu hohen Anspruch. Das Gehirn bevorzugt Stabilität; zu viele neue Regeln gleichzeitig erzeugen Widerstand. Erfolgreiche Anpassung folgt eher dem Prinzip der Integration: Neue Gewohnheiten werden an bestehende gekoppelt – ein kurzer Spaziergang nach dem Telefonat, Atempausen vor Meetings, Bewegung beim Warten. Nicht das perfekte System entscheidet, sondern die Fähigkeit, Neues in den eigenen Lebensrhythmus einzubetten.
Die sinnstiftende Dimension
Wir leben in einer Welt, die von Leistung, Effizienz und dauernder Aktivität geprägt ist. Doch ich finde: als Menschen sind wir nicht nur zum Funktionieren da – wir brauchen auch Momente, in denen wir loslassen, geniessen und das Leben mit allen Sinnen erfahren können. Leben hoch 3 bedeutet daher auch, das Leben bewusst zu feiern – mit allen Sinnen, mit Offenheit und voller Lebensfreude. Gerade diese sinnstiftenden Momente schenken uns ein Gefühl von Ganzheit.
Warum sind solche Momente so wichtig?
- Neurowissenschaftliche Forschungen zeigen, dass bewusste Auszeiten und sinnliche Erfahrungen das parasympathische Nervensystem aktivieren – unseren „Ruhemodus“. Dieser Gegenspieler zum Stresssystem hilft uns, zu regenerieren und emotionale Balance zu finden. Und ganz trivial: sie sind einfach schön und machen unser Leben besser.
Zeremonien und Rituale als bewusste Lebensanker
- Zeremonien schaffen genau solche Räume: Sie erlauben es uns, innezuhalten, Gefühle auszudrücken und Verbindung zu uns selbst und anderen herzustellen. In diesen Momenten dürfen wir wahrhaftig spüren – Freude, Dankbarkeit, Trauer – und dadurch das Leben in seiner ganzen Tiefe feiern.
Wenn eine Dimension zu leise wird
Alle drei Dimensionen sind wichtig und sollten in unserem Leben Platz bekommen
- Verstehen ohne Gestalten kann innerlich kreisen lassen.
- Gestalten ohne Feiern kann das Leben funktional machen.
- Feiern ohne Verstehen kann Tiefe verlieren.
Wie ist es bei dir? Welche Dimension meldet sich gerade?
- Das Verstehen?
- Das Gestalten?
- Oder die Würdigung dessen, was bereits da ist?
Die Positive Psychologie spricht davon, dass Aufblühen dort geschieht, wo Menschen ihr Leben nicht nur bewältigen, sondern bewusst bewohnen. Und das ist es doch, was wir uns alle wünschen.